Jungjägerin mit Liebe zu Tier und Natur


 Jungjägerin mit Liebe zu Tier und Natur


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Das Erlegen von Tieren gehört zu den Aufgaben von Jungjägerin Inga Schröder. Foto: Ritterbusch

Inga Schröder aus Holtsee ist eine von wenigen Frauen, die das "Grüne Abitur" absolviert haben.


Holtsee. Wenn ihr ein Tier vors Visier kommt, ist Inga Schröder aufgeregt. Die 32 Jahre alte Holtseerin ist Jungjägerin. Im Mai vergangenen Jahres legte sie die die staatliche Befähigung zum Erwerb des ersten Jahresjagdscheins ab. Bis dahin war es ein langer Weg: Neun Monate lang absolvierte sie eine Ausbildung bei der Kreisjägerschaft Eckernförde. In den Bereichen Wildtierkunde, Wildbiologie, Waldbau, Wildbrethygiene, Jagdrecht und Waffenkunde wurden die angehenden Jäger ausgebildet. Sie lernte, wann bestimmte Tiere geschossen werden dürfen, welche Teile zu einer Waffe gehören und worauf zu achten ist, will man das Wildfleisch später essen. Auch dass Eichhörnchen nicht geschossen werden, weil sie nicht zum jagdbaren Wild gehören, erfuhren die angehenden Jäger. Schießen gehörte ebenfalls dazu.
"15 bis 20 Jungjäger werden bei uns jedes Jahr ausgebildet", sagt Uwe Jacobi, Öffentlichkeitsbeauftragter der Kreisjägerschaft Eckernförde. Bereits mit 16 Jahren können Jugendliche den Jugendjagdschein erwerben, um in Begleitung eines erwachsenen Jägers zur Jagd zu gehen. Mit 18 Jahren gibt es den Jagdschein. Nach oben gibt es keine Altersbegrenzung. Nach bestandener Prüfung gelten die Frauen und Männer drei Jahre lang als Jungjäger. Dass immer mehr Frauen sich für die Jagd begeistern, wertet Jacobi positiv: Sie würden sehr waidgerecht jagen und vorsichtig beim Schießen sein, um kein Tier unnötig zu verletzen.
Die staatliche Prüfung zur Erlangung des ersten Jahresjagdscheines wird auch das "grüne Abitur" genannt. "Nur die härtesten bestehen", sagt Jacobi und betont, dass sich die Ausbildungsteilnehmer in dieser Zeit nur auf die Prüfung konzentrieren müssten. Zeit für andere Dinge bleibe nicht. "Das kann man auf jeden Fall mit dem Abi vergleichen", sagt Schröder, die Landwirtschaft studiert hat und in der Buchhaltung einer Vermarktungsfirma arbeitet. Man müsse sich in kürzerer Zeit als in der Schule auf die Prüfung vorbereiten.
Inga Schröder bestand die Prüfung. Dann brauchte sie eine Erstausrüstung für mehrere tausend Euro mit Waffen, Fernglas, Rucksack, Messer und Kleidung: Jacke, Hose, Pullover, Schuhen und Hut. Alles in braun gehalten. Viele Jäger tragen auch grün. Warum, das weiß die Jägerin aber auch nicht. Wild sei farbenblind. "Es gehört einfach dazu." "Es ist Tradition", sagt Uwe Jacobi.
In der Anfangszeit ist sie immer mit ihrem Vater zur Jagd gegangen. Er ist ist Jäger und hat seine Tochter schon in ihrer Kindheit immer mal wieder mit ins Revier genommen. So entstand auch ihr Interesse für die Jagd. An den Tag, als sie zum ersten Mal alleine zum Jagen ins Revier gegangen ist, erinnert sie sich noch gut: "Ich habe mir mit einer befreundeten Jungjägerin SMS geschrieben: ‘Hoffentlich kommt heute nichts’", berichtet sie. Der Respekt vor den Tieren und die Sorge, sie mit einem Schuss vielleicht nicht zu erlegen, sondern nur zu verwunden, sind bis heute geblieben. "Es kostet Überwindung abzudrücken", sagt sie.
Aber Jagen sei durchaus sinnvoll: Überpopulation werde verhindert. Kranke und alte Tiere würden erlegt, aber auch junge. Und das hat einen Grund: Ältere Tiere könnten Jungen zu versorgen haben. Deswegen werden eher Jungtiere geschossen. Zwei Rehböcke und ein Kitz hat Jungjägerin Schröder bisher erlegt. Die Gehörne der Böcke hat sie als Trophäen an die Wand gehängt.
Oft kommt es auch gar nicht dazu, dass die 32-Jährige ihr Gewehr anlegt und abdrückt. Dann sitzt sie nur auf einem der Hochsitze im Revier und schaut in die Natur. Einmal hat sie gesehen, wie zwei Jährlingsböcke gegeneinander kämpften oder wie eine Krähe einen Uhu angriff. "Da sitzt du und denkst: ‘Wow’."
Es gibt einen gesetzlichen Abschussplan von der Unteren Jagdbehörde, der vorgibt, wie viele Tiere einer jeden Art im Jahr in den 600 Hektar großen Revier erlegt werden müssen. "Jagen ist Passion", sagt die Jägerin abschließend. Schließlich gehe man auch mal bei Regen auf die Jagd. Aber sie kann dabei entspannen. "Es ist faszinierend."


Der Presseartikel der Journalistin Michelle Ritterbusch vom 18.07.2013 wurde mit freundlicher Genehmigung der Eckernförder Zeitung entnommen.



Autor: Uwe Jacobi