Achtung! Wild auf der Straße...


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Wildunfälle sind für Mensch und Tier lebensgefährlich! Wer kennt sie nicht, die Hinweisschilder an den Straßenabschnitten, mit erhöhtem Aufkommen an Wildwechseln. Sei es der springende Rehbock als ständig aufgestelltes Schild oder das sporadisch installierte zur Damwildbrunft mit dem ziehenden Schaufler.

 

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Das Aufstellen der Warnschilder soll in erster Linie den Menschen vor Schaden an Leib und Seele bewahren! Sachschäden am Fahrzeug sind sicherlich beklagenswert. Dieser lässt sich jedoch in vielen Fällen reparieren bzw. durch Neukauf ersetzen.

Doch wie steht es um die beteiligte Kreatur? Für Reh, Sau oder Hirsch endet ein Zusammenprall meist tödlich. Sei es unmittelbar beim Aufprall oder verletzt, um dann durch Fangschuss vom Leid erlöst zu werden. Nicht immer bleibt verletztes Wild am Unfallort.

Es wechselt mehr oder minder verletzt fort und wird trotz Nachsuche mit dem Schweißhund nicht gefunden. Es legt sich weitab vom Unfallort ins Wundbett. Heilt es die Verletzung aus, hat es Glück gehabt bei hoffentlich leichter Behinderung. Wenn nicht, zeugen Fell und Knochenreste, dass hier ein Stück Wild verluderte.

Ich möchte von einem Damhirsch berichten, den ich über einen Zeitraum von 2 Sommern beobachten und fotografieren konnte – und Opfer der Strasse wurde!!!

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Der Schaufler musste im 1. Jahr schon auf dem Höhepunkt seiner Geweihentwicklung gestanden haben. Zur Wiedererkennung diente mir seine rechte flachgeneigte Augsprosse. Im Folgesommer gelangen mir von ihm Fotos aus sehr geringer Distanz. Die Auswertung der Bilder ergaben ein höchst interessantes Geweih und: der Hirsch setzte zurück – ist also alt!

 

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Den Schaufler wollte ich weiter beobachten! Doch erst spät im Dezember konnte ich ihn in seinem angestammten Revier bestätigen. Banges Hoffen: überlebt er die Jagdzeit, die mit dem Januar endet? Der Hirsch tat es...!

Im Februar pirschte ich mit aller Um- und Vorsicht durch ein kleines Fichtengehölz. Es wird gerne vom Wild als Einstand aufgesucht. Eine Bewegung zwischen den Stämmen lässt mich verhoffen.

Durchs Fernglas erkenne ich einen niedergetanenen Damschaufler. Mit einem langen Ende kratzt sich der Hirsch seine Rückenpartie. ….Langes Ende? Das könnte der „Alte“ sein! Absinken meinerseits und an einen Fichtenstamm gekauert, beleuchte ich den gute 30 Gänge im Bett sitzenden Schaufler.

Das Geweih ist noch nicht voll zu erkennen. Ein wenig die Position verändernd  - er ist es!!!

 

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Eine anmutige Szene, der Hirsch im sonnigen Morgenlicht - so dicht am Waldrand. Doch der Wind ist ungünstig, das Wildtier wird unruhig und kommt hoch. Aber wie hält er sich auf den Vorderläufen? Krumm stehen sie und ich meine ein zittern der Läufe zu bemerken. Beim Vorziehen bewegt er sich sehr unbeholfen… seine Decke zottelig… ist der Hirsch krank?

Der Schaufler wechselt nach kurzem Verhoffen nur wenige Gänge weiter zu einer umgewehten Fichte und legt sich gut gedeckt nieder. Auf allen Vieren kriechend kann ich dem Schaufler folgen. Schade, dass er so gedeckt liegt. Ich versuche trotz seiner Deckung diese Szene im Bild festzuhalten.

 

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Doch nach einer Weile wird der „Alte“ erneut hoch- er hat wieder Wind von mir bekommen, wird sehr unruhig. Auch jetzt wieder sein unbeholfenes Ziehen und da er recht frei steht, wirkt der Hirsch körperlich sehr abgekommen. Ist sein Brustkorb deformiert…? 

So verhoffend und mit ungewöhnlich „runden“ Vorderläufen äugt der Hirsch einen langen Moment zu mir herüber. Jetzt hat der Schaufler mich voll wahrgenommen und trollt in merkwürdig eiernder Gangweise- jedoch erstaunlich schnell durch das Gehölz von dannen.

 

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Sehr bewegt und nachdenklich mache ich mich auf den Heimweg.

 

Selbstverständlich informiere ich die umliegenden Großgrund- und Eigenjagdbesitzer von diesem kranken Damhirsch. Ich erfahre dabei, dass es einen Wildunfall mit einem Hirsch gegeben hatte.

Die Nachsuche blieb jedoch erfolglos. Ende Februar gelingt es mir bei schlechtem Tageslicht den Hirsch im gleichen Waldstück ein letztes Mal lebend im Bild festzuhalten: die Stellung der Vorderläufe sagt alles über den Zustand der arg geschundenen Kreatur.

 

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Anfang April finden Kinder aus dem Dorf einen verendeten Damhirsch und informieren mich.
Meine Vermutung finde ich bestätigt, als ich am nächsten Morgen vor Ort bin: es ist der „Alte“! Dort im Wald, wo ich ihn im Dezember beobachten konnte, hatte er sich das letzte Lager ausgesucht.

 

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Der Schaufler musste schon vor etlichen Tagen verendet sein, er war bereits leicht angeschnitten. Mehr als 4 Wochen waren seit unserem letzten Zusammentreffen vergangen, was zeigt, wie zäh doch so ein Wildtier, trotz schwerer Verletzung ums Durchhalten bemüht  gewesen war.

Den Schaufler einmal so hautnah fotografieren zu können – daran hatte ich nie gedacht. Dass ich einmal sein präpariertes Geweih auf einer Geweih – und Gehörnschau wieder sehen würde, dass hatte ich erhofft.

 

Nun denn, so ist’s mir als Natur – und Wildfotograf recht, den „Alten“ in seinem Todesschlaf und hier wo er seine Wechsel gezogen, abzulichten.

 

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Und das nicht nur aus Interesse an seinem Schauflergeweih, sondern mit diesen Bildern der Öffentlichkeit mahnend – nachdenkend Zeugnis zu geben: Nehmt die Wildwarnschilder am Straßenrand ernst – reduziert die Geschwindigkeit. Und wechselt Wild auf die Fahrbahn: abblenden, laut hupen, Lenkrad fest haltend und nicht ausweichen!!!

 

Lieber stark bremsend einen Aufprall riskieren, als in den möglichen Gegenverkehr zu fahren, andere Personengefährden oder selbst frontal gegen einen Baum zu prallen!

 

Das Erlebte mit diesem Hirsch wurde dann auch anlässlich der 21. Riesebyer Dorfwoche als ein Teil der Ausstellung unter dem Motto –Natur und Jagd- mir Bildern, Texten und dem Geweih der Öffentlichkeit präsentiert.

 

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Wie seinerzeit – erhoffe ich auch hier durch Text und Bild appellierend zum Thema „ Wild im Straßenverkehr“  einwirken zu können.

 

 

Es grüßt Sie herzlich

 

Peter Wohlert

Öffentlichkeitsreferent aus dem Hegering 3 Schwansen Süd



Autor: Peter Wohlert