Oft kommt es anders, als man denkt


Revier Ramsdorf. Am 09. Mai 2018 fuhren wir (Frank Bredendieck, Begehungsscheininhaber im Revier Ramsdorf und ich) wie jeden Mittwoch zum Üben mit den Mitgliedern der Bläsergruppe Schleswiger Geest in „Reimers Gasthof“ nach Geltorf. Auf der Fahrt erzählte mir Frank, dass sein Schwiegersohn Tim Först am Dienstag den 08.05.2018 sein „Grünes Abitur“ bestanden hat und auch gestern gleich seinen ersten Jagdschein gelöst hat. Da Tim die letzten Jahre im Ramsdorfer Revier bei der Kitzsuche und Revierarbeiten geholfen hatte, machte ich Frank das Angebot, dass er sich mit Tim in der Bunnen (ein 15 ha großes Waldstück) an einem uralten Bau, der sich komplett über einen 25 Meter hohen Berg mit 100 Jahre alten Buchen und ca. 25 Einfahrten ausdehnt, mit Tim ansetzt. Dort hatten wir schon junge Marderhunde gesichtet. Am Freitag, den 11.05.18 rief mich Tim an und bedankte sich für die Einladung durch die Ramsdorfer Jäger. Er teilte mir mit, dass er sich heute Abend mit seinem Schwiegervater dort ansetzen wolle.

Ich wünschte beiden viel Waidmannsheil.

Um 20:44 Uhr klingelte mein Handy. Frank war dran und sagte zu mir „Sau tot, Überläuferkeiler“. Ich wünschte ihm Waidmannsheil, worauf er sofort antwortete „Ich habe den Keiler nicht gestreckt, sondern Tim. Wir fahren jetzt zu Tim (Klein Vollstedt) und brechen die Sau auf.“
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Damit war ich nicht einverstanden, da wir bei dem Mitpächter Herbert Hinrichsen, der mitten im Revier wohnt, einen Aufbrech- und Zerwirkraum haben. Wollte sich Tim vor dem Brauchtum in der Jägerschaft nach dem Strecken seiner ersten Kreatur drücken?

Ich schlug daher vor, er solle die Ramsdorfer Jäger anrufen, damit wir uns alle bei Herbert treffen. Die gesamte Ramsdorfer Jägerschaft und andere fanden sich an dem Abend bei Herbert ein und wünschten Tim Waidmannsheil zu seiner ersten gestreckten Kreatur - und dann gleich eine Sau. Ihm wurde der Inbesitznahmebruch überreicht und Frank und ich verbliesen die Sau. Nun sahen wir dem Jungjäger beim Aufbrechen der Sau zu - natürlich mit entsprechenden Fragen…

Diese Aufgabe meisterte Tim mit Bravur, jedoch hatte sein Messer schon lange keinen Schleifstein mehr gesehen, sodass er nach kürzester Zeit, um ein scharfes Messer flehte.

Der Überläuferkeiler wog aufgebrochen 53 Kilogramm.

Anschließend schilderten beide wie es dazu kam, dass nur Tim die Sau strecken konnte.

Beide saßen Rücken an Rücken.

Frank Richtung Süden, Tim Richtung Norden blickend 25 Meter von der untersten Röhre des Naturbaues und 10 Meter von einem breiten Entwässerungsgraben entfernt. Die Windrichtung passte. Nach gut anderthalb Stunden lief Frank eine Sau spitz von vorne an, drehte 45 Meter von Frank aus gesehen nach rechts ab und verschwand im Entwässerungsgraben. Sofort machte er Tim darauf aufmerksam, dass im Wassergraben eine Sau sei. Die Knie von Tim begannen zu zittern, als er von Frank Zeichen bekam, die Sau im Graben - wenn es geht - zu strecken. Nach ca. 4 Minuten kam die Sau 35 Meter von Tim links aus dem Graben. Tim sprach die breitstehende Sau an, sah den Pinsel und ließ die Kugel fliegen. Der Keiler zeichnete kurz, flüchtete noch 60 Meter, lehnte sich mit dem rechten Hammer an einer Buche an und brach dann zusammen. Kammerschuss!

Die Gefühle nach dem Schuß behielt Tim für sich.

Nach einigen Worten über das Brauchtum und Lob an Tim durch den Jagdleiter ließen wir einen waidmännischen Abend bis in die Nacht folgen.

Waidmannsheil Tim, zu Deiner ersten Sau!

Jetzt warten wir auf die Marderhunde.

 

Lothar Thiel

für das Revier Ramsdorf



Autor: Uwe Jacobi